Metaverse - das Internet 3.0

Blogpost, 01.07.2022

Wenn Tech- und Gaminggiganten wie Meta, Microsoft, Google, Roblox oder Apple das gleiche Ziel teilen, dann schaut man hin. Gerade wenn es um ein Projekt geht, dem ein Innnovationspotenzial zugesprochen wird, das dem Internet und dessen Anfängen nahe kommt.

Genau genommen handelt es sich bei diesem gemeinsamen Ziel um das Metaversum, kurz Metaverse. Eine virtuelle Welt, die durchaus als Weiterentwicklung des aktuellen Internets verstanden werden darf. Im Web 2.0 werden digitale Handlungen wie Interaktionen mit Freunden, Einkaufen oder Online-Games Spielen noch getrennt voneinander vorgenommen.

Nicht so im Metaverse. Das derzeit noch in den Kinderschuhen steckende, digitale Universum soll, nach dem Metaverse-Vordenker Matthew Ball, unbegrenzte Nutzerzahlen erlauben und jeder Nutzende soll mittels eines Avatars individuell dort auftreten können. Es entsteht ein synchronisiertes Echt-Zeit-Universum, das eine eigene Wirtschaft, Währung und Gesellschaft kennt. Gegenstände im Metaverse haben einen eigenen Wert und können grenzenlos durch das Metaversum transportiert werden. Es wird durch die Interaktion der Nutzenden gestaltet und bleibt zeitlich bestehen, das heißt das Metaverse endet weder in einer zeitlichen noch in einer räumlichen Dimension.

So jedenfalls die grundsätzliche Vorstellung des Metaverse – denn noch existiert das virtuelle Universum nicht. Die Menschheit könnte jedoch in naher Zukunft einige Zeit im Metaverse verbringen, denn das Research-Unternehmen Gartner gibt an, dass bereits 2026 bei einem Viertel der Weltbevölkerung die tägliche Nutzung bei mindestens einer Stunde liegen wird.


Metaverse Standards Forum

Zur Errichtung und Aufrechterhaltung derart komplexer Welten bedarf es jedoch eindeutig der Kooperation und gegenseitigen Ergänzung marktführender Unternehmen, da ihre jeweiligen Unternehmensschwerpunkte in unterschiedlichen Bereichen liegen. Aus diesem Grund einigten sich beispielsweise Firmen wie Meta, Microsoft, Epic Games, Nvidia, Unity oder Adobe auf das Metaverse Standards Forum. Größen wie Apple, Google oder Roblox arbeiten derzeit noch allein an Durchbrüchen.

Das angestrebte Back- und Frontend des Universums macht die Zusammenarbeit der Unternehmen jedoch nahezu unumgänglich: Die aufzubringende Rechenkapazität sowie die graphische Darstellung und das „Bauen“ des Metaverse wird voraussichtlich kein Unternehmen bei diesen Größenordnungen allein tragen können.

 

Nutzungspotenziale

Doch wie verändert das Metaverse den Alltag genau? Gerade im Bereich des Recruiting vereint das virtuelle Universum den Need der Arbeitnehmer, einen guten Job bei wenig (Zeit-)Aufwand zu finden, und die exponentielle Geschwindigkeit im digitalen Zeitalter. Durch die Unterstützung Künstlicher Intelligenz kann der Bewerbungsprozess auf Unternehmens- und Arbeitnehmerseite optimiert und automatisiert werden, wobei Offline-Trends nicht verschwinden: Der Mensch, samt seiner Haltungen, rückt immer mehr in den Vordergrund.

Für Einschätzungen, ob Prozesse wie Recruiting in der Zukunft ausschließlich im Metaverse stattfinden ist es noch zu früh, feststeht allerdings, dass die reale und die digitale Welt auch hier immer mehr verschwimmen werden. Bereits jetzt laufen bei einer Vielzahl an Unternehmen sämtliche Prozesse online ab, von Stellenausschreibungen, den Einsendungen der Bewerbungen, den Gesprächen sowie dem Arbeiten selbst. Sollte all das in einem gemeinsamen Universum reibungslos stattfinden, spricht jedoch Vieles für eine Verlagerung des Recruitment ins Virtuelle.

Ganze Meetings, Konferenzen oder Veranstaltungen werden zukünftig ebenfalls im Metaverse ausgetragen. Während das Internet auch eine digitale Version all dieser Konferenzarten kennt, grenzt sich das Metaverse hier nochmal durch die unkomplizierten Übergänge ab. Es ist ein viel fesselnderes Erlebnis, durch den Avatar repräsentiert einem Meeting in Shanghai mit 5 Personen beizuwohnen und wenige Minuten später im virtuellen Toronto eine Konferenz vor 1000 Menschen zu halten, nur um nach der Arbeit auf ein digitales Livekonzert des Lieblingskünstlers zu gehen.

Dennoch stellt die finale Idee des Metaverse die Unternehmen aktuell noch vor eine Vielzahl an maßgeblichen Problemen.

 

Probleme mit den Sinneserfahrungen

Eines der zentralen Probleme ist die Nachstellung von Sinneserfahrungen. Während sich das „reale“ Leben durch eine Vielzahl von Sinneseindrücken auszeichnet, sei es das Schmecken einer Frucht oder das Fühlen eines Gegenstandes, lassen sich gerade virtuelle Gerüche, Geschmäcker oder Berührungen nur schwer erfahrbar machen.

Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Augmented-, bzw. Virtual-Reality-Brillen, die mit speziellen Nasenklappen ausgestattet sind, könnten neben den Geräuschen und Bildern auch Gerüche aus dem Metaverse direkt erfahrbar machen. Aktoren auf der Zunge bieten zukünftig das Potenzial, den Nutzenden digitale Geschmäcker zu vermitteln.

Eine Art Roboterhaut, die während der Nutzung des Metaverse zu tragen wäre, könnte darüber hinaus auch das Fühlen virtueller Gegenstände ermöglichen, Berührungen mit Freunden oder eine leichte digitale Brise spürbar machen.

Eines zeigen die innovativen Ansätze allerdings deutlich: Um mal eben so ins Metaverse zu gehen, bräuchte es eine vollständige Technikmontur, einen Ganzkörperanzug mit Griffen in der Hand, Kopfhörern in den Ohren, Brille im Gesicht und Vernetzungen in Mund und Nase. Da sind die Schuhe, die Bewegung in der realen Welt ins Metaverse übertragen, noch gar nicht erwähnt.

Sehr viel Aufwand für etwas Zeit im Metaverse. Eine deutlich komfortablere Lösung scheint hier die Vernetzung von Gehirn und Computer mittels eines Brain-Computer-Interface darzustellen. Neurolink forscht daran zwar aus Gründen der Gesundheit und Hilfeleistung für neurologisch geschädigte Personen, der technische Ansatz wäre jedoch der gleiche. Das Gehirn gibt die Signale, die Technik setzt sie um – in diesem Falle der eigene Avatar im Metaverse.

Welcher Weg sich schlussendlich durchsetzen wird bleibt abzuwarten, allerdings ist hier ein massives Innovationpotenzial der Unternehmen gefragt, schließlich schlummert in den Sinneserfahrungen die Chance, das Erlebnis „Metaverse“ so realistisch wie möglich zu gestalten.


Probleme mit der Regulierung

Ein weiteres Problem stellt die Regulierung des Metaverse dar. Das Internet zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es durch keinen Staat oder Unternehmen kontrolliert werden kann. Ein „Luxus“, der im Falle des Durchbruchs eines Unternehmens beim Metaverse der Vergangenheit angehören könnte.

Sonstige Regulierungsschwierigkeiten könnte sich das Metaverse allerdings mit dem derzeitigen Internet teilen, seien es Hackerangriffe, durch die der individuelle Avatar übernommen und kontrolliert wird, die schleppende Regulierung von Hassrede und Desinformation, aber auch virtuelle Missbrauchsfälle, wie sie bereits mehrfach geäußert wurden. Ohne tatsächlichen Start des Metaversums wurden hier bereits erste Stimmen laut, dass der eigene Online-Avatar von anderen Avataren missbraucht oder sogar vergewaltigt worden sei.

Online-Hass und Übergriffe scheinen sich folglich auch im Metaverse nicht in Luft aufzulösen. Das Unternehmen bzw. die Gruppe von Unternehmen, die hier schlussendlich die Hegemonialstellung erlangen sollten, werden sich mit massiven Problemen bezüglich der Regulierung des Metaverse konfrontiert sehen.

 

Fazit zum Metaverse

In den Köpfen der Menschen, denen das Metaverse ein Begriff ist, existiert die Vorstellung einer grenzenlosen, fehlerfrei animierten 3D-Welt. In der Realität sind erste Versuche des Metaversums jedoch eher verpixelt und vor allem leer und inhaltslos.

Es ist also noch ein weiter Weg bis hin zum Metaverse der Zukunft, auch wenn Unternehmen sich dem Thema des virtuellen Universums mit Hochdruck annehmen.

Irgendwann könnte es den Punkt geben, an dem sich das alltägliche Leben zunehmend ins Metaverse verlagern wird, an dem das Reale immer nebensächlicher, und das Digitale zunehmend relevanter wird. Ob dieser Punkt jedoch 2026 in einer derartigen Größenordnung eintritt, ist stark zu bezweifeln, denn noch stehen den wenige Durchbrüchen zu viele Fragezeichen und Probleme gegenüber.

 

Photo 1 by Minh Pham on Unsplash

Photo 2 by XR Expo on Unsplash